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William
Blake, der die Schönheit der Welt in einem Sandkorn entdecken konnte,
Ludwig Wittgenstein, der mit zehn Jahren eine Nähmaschine baute
und über den seine Mitschüler sagten, er sei "wie aus
einer anderen Welt herbeigeschneit", Albert Einstein, der sich
selbst als "einsamen Besucher" auf der Erde bezeichnete, der
ebenfalls nobelpreisgeschmückte John Nash, Vincent van Gogh, Glenn
Gould, Isaac Newton, Emily Dickinson, Paul Klee, Wassily Kandinsky,
Anton Bruckner, Bela Bartok, Steven Spielberg, um nur einige zu nennen
und nicht zuletzt Bill Gates, der alte rocker - gehören sie alle
einer besonderen Spezies an, einer Spezies mit Eigenheiten, die im weitgespannten
Regenbogen des autistischen Spektrums leuchten?
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Aspies mögen keinen Blickkontakt mit Menschen und sie neigen zum
Hyperfocusing. Wenn man sich im Straßenverkehr lediglich auf seine
eigenen Füße konzentriert, ist das gefährlich, wenn
man jedoch ein Projekt genauso hartnäckig fokussiert, kann was
Geniales dabei herauskommen. Weder Funktion noch Form interessiert sie,
sondern leiglich, wie etwas gemacht ist. Aspies gelten als schüchtern,
leicht exzentrisch, sie reden entweder gar nicht oder sie sind nicht
zu stoppen und spicken ihre Sätze mit technischen Termini. Sie
bewegen sich unbeholfen als hätten sie ihren Körper nur geliehen
und führen automatische, oft repetitive Bewegungen aus wie Schaukeln
(rocking), sich um sich selbst drehen, mit den Fingern spielen, mit
den Händen flattern (stimming). Sie sind unempfindlich gegenüber
Ironie, Gruppendynamik oder sportlichem Ehrgeiz. Sie insistieren auf
Routine und Ritualen, können in Codes besser lesen als in Menschen,
sind leicht paranoid, und oft sehr intelligent.
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Oft bleibt Asperger, abgekürzt AS, undiagnostiziert. Die Kombination
und Ausprägung der Symptome ist außerdem ganz individuell,
so dass eindeutige Diagnosen schwierig sind. Aspies können in der
Arbeitswelt Nischen finden, in denen sie gut zurecht kommen. Mehr noch,
gewisse Attribute eines milden Autismus können in Gesellschaften,
in denen systematische Intelligenz gut angeschrieben ist, durchaus als
adaptiv gelten, Beispiel Bill Gates. Der zum Hospitalismus neigende
und von Computern und Trampolins besessene pedantische Mann mit der
hellen gepressten Diskantstimme, der niemandem direkt in die Augen blicken
kann und als Junge angeblich die ganze Torah auswendig konnte, wurde
von Autismus-Forschern, von denen viele - und nicht die schlechtesten
- übrigens oft selbst Symptome aufweisen, schon lange als einer
der ihren identifiziert.
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Temple
Grandin, Professorin für Veterinärwissenschaft
an der Universität Colorado, deren
Obsession für Viehgehege dazu führte, dass sie Professorin
für Animal Science, sowie weltweit führende Expertin für
humanes Schlachten wurde und die mehrere wichtige Bücher über
Autismus und Asperger geschrieben hat, sagte in einem Interview mit
Autismus-Forscher Tony Atwood: "Mein Gehirn ist ein Computer mit
einem 1000-Gigabyte-Speicher für Millionen von Bildern. Aber mein
Prozessor ist ein alter Intel 286 - bei zu viel Input bricht Chaos aus".
Januar
letzten Jahres bot Microsoft seinen Mitarbeitern Versicherungsvergünstigungen
für die Kosten des Verhaltenstrainings ihrer autistischen Kinder
an. Am MIT in Boston gibt es eine charm school für verstockte Informatiker
und auch die Fakultät für Informatik der TU München hat
mit Kursen nachgezogen.
An
welchem Punkt wird eine Entwicklungsstörung eine Persönlichkeitsstörung
und wann ist sie einfach eine Art der Persönlichkeit? Es ist produktiver,
das Leben eines autistischen Menschen von seinem Blickwinkel aus zu
beurteilen. Menschen mit autistischen Merkmalen sind starke Persönlichkeiten,
sie können gar nicht anders. Aber wie schaffen sie es, nicht unglücklich
zu werden unter Menschen, die Gruppentauglichkeit als absolutes Ideal
setzen?
Aspies sind oft unglücklich, vor allem als Kind: das Lärmen
und Jagen auf dem Pausenhof, aus dem sich nicht herauslesen lässt,
wer Freund und wer Feind ist, die verständnislose Grausamkeit der
Anderen. Auch als Erwachsene sind sie oft einsam, depressiv und fühlen
sich stigmatisiert, ihr Leben wird zum Kampf gegen sich selbst. Was
wäre, wenn Asperger Syndrom anhand seiner Stärken definiert
wäre, fragen Carol Gray und Tony Atwood, dann gäbe es keine
Diagnose, sondern eine Entdeckung des Aspies, eines absolut loyalen,
zuverlässigen, beharrlichen, originellen und optimistischen Menschen.
Oder doch ein Alien? Viele empfinden, als wären sie von
Kindesbeinen an auf dem falschen Planeten oder als hätten alle
anderen zur Geburt ein Manual zur sozialen Interaktion erhalten, nur
sie nicht. Ein Außerirdischer kann nicht lernen, kein
Außerirdischer zu sein. Es mag ihm jedoch helfen, wenn er und
seine nahe Umwelt von seiner Herkunft erfahren.
Diese störrischen kleinen Professoren, die manchmal so komisch
zucken und vor sich hinkichern, die mit zehn schon süchtig nach
dem Computer sind und sich mit zwanzig nicht für Mode interessieren,
weil ihnen dafür die holistische Intuition abgeht, sie entpuppen
sich als die eigentlichen Helden unserer von Computern dirigierten Welt.
Auch wenn nur wenige der Aspies über das Potential eines Einstein
verfügen, wir brauchen sie, denn Versuche, "normale"
Menschen mit Geek-Tugenden zu füttern, haben bislang immer fehlgeschlagen.
Wobei sich die Frage aufdrängt, ob die verführerische Omnipräsenz
der Computer ihre Wesenszüge fördert und was sie ohne Rechner
täten? Lichtspiegelungen im Fensterglas betrachten, Zugfahrpläne
auswendig lernen, Sandkörner zählen, sich selbst Geschichten
erzählen, in denen keine Worte vorkommen?
Zu einer anderen Zeit hätten diese Leute als Mönche gearbeitet
und neue Tinte für frühe Druckpressen entwickelt. Heute jedoch
verdienen sie 150.000 Dollar im Jahr und pflanzen sich sehr erfolgreich
fort,
weiß Bryna Siegel, Mitgründerin der Stanford University Autism
Clinic.
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