Die Diagnose
Nach 28 Jahren, in denen meine Tochter sich selbst
als "anders" empfunden hat und von anderen so gesehen
wurde, änderte die "Entdeckung" des Asperger-Syndroms
Vieles. Sie führte zunächst geradewegs zur Diagnose,
die bei ihr und bei uns (ihren Eltern) gemischte Gefühle
hervor rief:
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Traurigkeit, da man nun
wusste, dass diese wahrscheinlich genetisch bedingte Störung
im Wahrnehmungs- und Kommunikationsbereich nicht "heilbar",
sondern allenfalls in ihren Auswirkungen "anpassbar"
ist.
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Erleichterung, dass an diversen Misserfolgen
und Schwierigkeiten bisher weder die Erziehung noch sie
selbst "schuld" war.
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Stolz auf das, was sie bisher geleistet
hat. |
Letzlich war die Diagnose von großem Vorteil.
Wenn die Betroffenen der Versuchung, sich auf die Diagnose zurück
zu ziehen, widerstehen, erhält die Weiterentwicklung eine
ganz neue Qualität. Es geht nicht mehr darum, "so zu
werden wie alle anderen", nicht mehr darum, diesem unerreichbaren
Ziel hinterher zu laufen. Es geht darum sich so, wie man ist,
zu akzeptieren, zu lernen mit dieser eigenen Persönlichkeit
das beste aus dem "Aufenthalt auf diesem fremden Planeten"
zu machen, die "Fremdsprache" der Kommunikation zu lernen,
sich der Stärken, die man gegenüber den anderen hat,
bewusst zu werden und an ihnen zu arbeiten. Daraus kann sich dann
ein ganz neues Selbstbewusstsein entwickeln. Ein Bewusstsein,
dass es ermöglicht, sich als wichtigen, einzigartigen Teil
der Gesellschaft zu begreifen und die es ermöglicht, selbständig
und selbstbestimmt zu leben.
Zum Zeitpunkt der Diagnose wohnte meine Tochter
noch bei uns, inzwischen ist sie in eine eigene Wohnung gezogen
und lebt weitestgehend selbständig. Eine Therapie hilft ihr
zusätzlich beim Bewältigen von Schwierigkeiten in Beruf
und Alltag.
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